Ethnobotanik ist die Lehre vom Zusammenleben von Mensch und Natur.

Sie erforscht die Bedeutung, die die Pflanzenwelt für die menschlichen Kulturen inne hat. Kultur und Natur, Mensch und Pflanze sind untrennbar miteinander verwoben – von Verwendungsmöglichkeiten der einzelnen Pflanzen als Nahrung, Medizin, Bausubstanz, Färbemittel usw. bis hin zu kulturgebundenen Sichtweisen auf die Pflanzenwelt und mythisch-magische Denkweisen und Gebräuche. Die Lebensweisen der so genannten „Naturvölker“ lassen uns an unsere eigenen Wurzeln erinnern – an alt überlieferte Bräuche und an Sichtweisen, in der Pflanzen neben ihrer Körperlichkeit, seelisch-geistige Dimensionen aufweisen.

Folgende Definition von Ethnobotanik gab der Schirmherr des Ethnobotanischen Instituts, Dr. Wolf-Dieter Storl, in einem Rundbrief im Herbst 2010: 

„Ethnobotanik, was ist das? Viele glauben es hat etwas mit entheogenen (psychedelischen) Pflanzen zu tun. Ja, stimmt. Aber das ist nur ein winziger Teilaspekt. Ethnobotanik ist eine Kreuzung von Ethnologie und Botanik. Es geht darum zu erkunden, wie eine Ethnie (Volk, Stamm, Kulturgemeinschaft) mit den Pflanzen ihrer Umwelt umgeht, wie sie sie benennt, welche eine wichtige Rolle in der Kultur spielen als Nahrungspflanze, als Heilpflanze, als Rauschpflanzen, als Faserpflanzen, als Färbepflanzen, Giftpflanzen, Zierpflanzen, Kultpflanzen (Heilige Bäume, Symbolik), mit welchen Göttern, Geistern, Heiligen, Tierwesenheiten die Pflanzen verbunden sind, welcher Glaube und Aberglaube sie umrankt. Ethnobotanik erkundet die Pflanzen aus der Perspektive der indigenen Völker, der Eingeborenen selber und ist somit Teil der kognativen Anthropologie. Sie ist, in anderen Worten, ein unendlich weites und interessantes Gebiet.

Nach meiner Definition ist Ethnobotanik die Interaktion des Pflanzengeistes mit dem menschlichen Geist. Damit befinde ich mich wieder einmal außerhalb des streng definierten wissenschaftlichen Paradigmas, aber davon bin ich überzeugt: Neben dem sichtbaren, messbaren lebendigen Leib, ihrer Physiologie und ihrern messbaren biologischen Rhythmen, haben die Pflanzen, auf einer nicht stofflichen Ebene, einen bewussten Geist. Mit diesem Geist haben die Indianischen Medizinmänner und -frauen, die ich kannte, kommuniziert.

Oft bekommen wir Anfragen von Studenten, wo man im deutschsprachigem Raum oder auch anderswo in Europa Ethnobotanik lernen könnte. Die Antwort ist, leider nirgendwo so richtig. In Harvard, zum Beispiel, gibt es das Studienfach, aber es steht vor allem im Dienst mächtiger Pharmakonzerne, die es interessiert, welche Heilmittel die Curanderos, Yerberos und andere schamanische Heiler verwenden.

Es lag also in der Luft ein Ethnobotanisches Institut zu gründen, wenigstens als Anlaufstelle für zukünftige ethnobotanische Vernetzungen. Eine junge Medizinethnologin, Sarah Moritz und ihr Mann Patrick Moritz haben sich mit viel Mühe und Fleiß dafür eingesetzt, dass so etwas zustande kommen konnte. Im Rahmen eines entspannten, sonnigen „ethnobotanischem Wochenendes“ auf dem Schwarzenbacher Hof wurde das Ethnobotanische Institut (www.ethnobotanisches-institut.de) in Freisen im Saarland aus der Taufe gehoben. Unter den Referenten, die mit dabei waren, befanden sich die Ethnologin und Kunsthistorikerin, Claudia-Müller-Ebeling, der renommierte Ethnologe und Ethnopharmakologe, Christian Rätsch.”

Zitat des Schirmherrn Dr. Wolf-Dieter Storl anlässlich der Gründung
des Ethnobotanischen Instituts (Rundbrief im Herbst 2010)